.

Freitagspredigt vom 09.07.2010
Die Liebe zum Menschen


Bismillahirrahmanirrahim
[Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen]

“Wahrlich, die Glaubenden sind Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren Brüdern und versöhnt sie miteinander. Und habt Ehrfurcht vor Allah, damit ihr Barmherzigkeit erfahrt.”

[Sure “Hudschurat”, Vers 10]

Verehrte Gläubige,

der Islam verbindet die Gläubigen mit dem Band der Liebe und der Freundschaft. Dank dieses derart geschaffenen Miteinanders bringt er eine Gesellschaft hervor, in der die einzelnen Individuen in Verbundenheit zueinander halten. Dieses Band der Liebe verbindet die Muslime mit Allah und Seinem Gesandten; er verbindet sie aber auch untereinander. Sie halten immer zusammen, ganz gleich ob in guten oder in schlechten Tagen, oder bei Freude und Leid. Der Grund für die Erschaffung des Universums ist die Liebe. Auch der Islam basiert auf Liebe. Der Gläubige ist ein Mensch der Liebe. Er liebt Allah, liebt den Propheten und die Gläubigen, ja er liebt eigentlich alle Geschöpfe.

Die Liebe, für den Menschen ein unvergleichlicher Wert, ist die Basis für alles Gute, der Grund der Existenz, die Basis für soziale Beziehungen und zudem ein Schmuck für unsere Herzen. Liebe ist eine göttliche Gabe, ein Geschenk, eine Pflicht gegenüber dem Schöpfer, aber auch Seinen Geschöpfen. So ist auch der Mensch mit Liebe erschaffen. Liebe ist Nahrung für Herz und Seele.

Liebe spielt eine große Rolle im reibungslosen und geregelten Ablauf unseres sozialen Lebens. Die Liebe zum Menschen lehrt die Gesellschaft Solidarität, Verständnis, Einheit und Zusammenhalt, sowie geschwisterliche Verbundenheit. Zu den wichtigsten Werten des Lebens gehört es, anderen Menschen Gutes zu wünschen und die Liebe zum Menschen hochzuhalten.

Verehrte Muslime,

Mevlana, Yunus Emre und Hacı Bektaş Veli, sie alle sind Beispiele aus der Geschichte Anatoliens, die für die Liebe zum Menschen stehen und mit dieser ihrer Eigenschaft Ruhm erlangt haben. Mevlana z.B., dieser Quell der Liebe, brachte das Thema Liebe in einer seiner Dichtungen wie folgt zum Ausdruck:

“Liebe macht das Bittere süß und aus Kupfer Gold. Liebe ist es, die klares Wasser aus schmutzigem, trübem holt.”

Eine Gesellschaft, in der die einzelnen Individuen mit Liebe zueinander verbunden sind, ist in jeder Hinsicht stark. Gleichzeitig macht dies die Menschen glücklich. Nur so kehrt die Liebe, die wir geben, auch wieder zu uns zurück und nur so entsteht eine Gesellschaft der Liebe. Es liegt in unserer Hand, ein glückliches Leben zu führen. Wir müssen hierfür nur unseren Mitmenschen mit Liebe und Toleranz begegnen und Gutes tun.

Verehrte Gläubige,

in einer Gesellschaft, in der derart Liebe zum Menschen dominiert, ist es auch einfacher, gegen Leid und Übel anzugehen und dieses aus der Welt zu räumen. Mit Liebe erobert man die Herzen. Das Leben eines Jeden sollte bestimmt sein vom Gedanken der Liebe zum Menschen. Erst dann werden wir die Botschaft verinnerlicht haben, die uns vor einigen Jahrhunderten der türkische Volksdichter Yunus Emre überbrachte, als er sagte:

'''„Kommt, lasst uns einander kennen lernen. Lasst uns lieben und geliebt werden, keiner ist für ewig auf der Welt.“'''

Auch unser Prophet wies uns auf die Bedeutung der Liebe hin, als er dereinst in einem Hadith sagte: „Solange ihr nicht geglaubt habt, kommt ihr nicht in das Paradies. Und solange ihr euch nicht liebt, habt ihr noch nicht richtig geglaubt.“ [1]

Da wir mit unseren Mitmenschen zusammen leben, sollten wir unsere Liebe mit ihnen teilen, ihnen Respekt entgegen bringen und dieses ihnen nicht vorenthalten. Dies wird schließlich unser dies-, wie auch jenseitiges Leben aufwerten. Wir sollten allen Menschen, mit denen wir zusammen leben, gleich welcher Herkunft oder Religion, ja sogar allen Geschöpfen Funken der Liebe weiter geben und Alle und Alles lieben können, angefangen von den Kieselsteinen auf dem Boden bis hin zu den Sternen am Himmel.

Verehrte Gläubige,

lassen Sie daher, ganz wie es uns unsere Religion, die der Liebe zum Menschen einen hohen Stellenwert einräumt, gebietet, Liebe in unsere Herzen und alle Geschöpfe lieben um ihres Schöpfers willen. Meine Predigt beende ich mit einem Koranvers:

“Wahrlich, die Glaubenden sind Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren Brüdern und versöhnt sie miteinander. Und habt Ehrfurcht vor Allah, damit ihr Barmherzigkeit erfahrt.” [2]

[1] Buhari, İman, 7 [2] Hucurat, 49/10

Mitteilung vom 09.07.2010

Islamische Religionsgemeinschaft
Bundeskörperschaft des öffentlichen Rechts

Av. Mehmet Ayhan
Pressesprecher

Rückfragen: Chef vom Dienst
Xantener Straße 8
10707 Berlin (Wilmersdorf)
Tel: 030 - 841 15 730
Fax: 030 - 841 15 728

Page last modified on August 26, 2010, at 12:41 PM